Die Vorläufer der Oper waren geistliche Schauspiele mit Musik, die auch als “Mysterienspiel” bekannt waren, wobei die ersten nachweisbaren Spiele dieser Art bereits für das 11. Jahrhundert nachgewiesen werden können. Um das Volk anzulocken, wurden auch Satansfiguren oder Kurpfuscher in diese sonst sehr ernsten Spiele integriert. Etwa hundert Jahre später etablierten sich auch weltliche Schauspiele mit Musik, sogenannte “Liederspiele”, die meist von den langsam aussterbenden Troubadouren verfasst wurden. Schließlich, als letzter Vorgänger zur eigentlichen Oper, verbreiteten sich höfische Tanzspiele, die besonders im Frankreich des 16. Jahrhunderts sehr beliebt und unter dem Namen “Ballett de cour” bekannt waren. Sie zeichneten sich bereits, im Gegensatz zu ihren Vorgängern, durch eine prachtvolle und reichhaltige Ausstattung aus. Die erste richtige Oper “Daphne” entstand an der Schwelle des Zeitalters der Renaissance zu dem des Barock und wurde im Hause des reichen florentiner Kaufmannes Korsi 1597 uraufgeführt. Peri, der die Musik lieferte und Rinuccini, der das Libretto verfasste, wurden somit, ohne es wohl zu wissen und zu beabsichtigen, zur Urväter der Oper. Sie revolutionierten die Welt der Musik, indem sie von alten, teils unsinnigen Vortragsformen abkamen, so setzten sie beispielsweise durch, das Gesangseinlagen einzelner Personen auch von einzelnen Personen dargeboten wurden, da es vorher durchaus Usus war, den Schmerz eines verschmähten Liebhabers mindestens von einem Quartett besingen zu lassen. Die Stücke bekamen mehr Transparenz und boten einzelnen Gesangstalenten nun die Möglichkeit ihre Stimmen angemessen zu profilieren. Diese neue Musik (nuove musiche) fand dann auch schnell begeisterte Anhänger. Fleißige Musiker, wie Taccini und Striggio, verwendeten ihre besten Kräfte zur Vervollkommnung der neuerlangten Musikform “Oper”. Die Oper blieb nur verhältnismäßig kurz in adliger Hand, denn bereits im Jahre 1637 wurde das erste öffentliche Opernhaus Europas in Venedig eingerichtet. Die Menge fand rasch gefallen an den neuen musikalischen Schauspielen. Wie im Sturm eroberte die italienische Oper alle europäischen Kulturländer, allein der primäre Schwerpunkt verlagerte sich bald, denn originär war der Sologesang als Schwerpunkt der neuen Kunstform eingeführt worden und bestimmte das Wesen der neuen Musikgattung, wobei die instrumentalmusikalische Untermalung hinter dem Libretto zurückstand. Dies änderte sich jedoch und die Musik drängte sich in den Vordergrund. Die Musik wurde zur Hauptsache, das Drama trat demgegenüber völlig in den Hintergrund, so wurde schließlich das “Belcanto”, das schöne Singen, zum typischen Merkmal der italienischen Oper. Zuerst schien dieses Faktum den Untergang der Oper einzuläuten, die Meister aus Italien allerdings entwickelten bald geschlossene Lied- und Arienformen, Vor- und Zwischenspiele und vervollkommnten den Orchestralgesang, erschufen somit ein reiches Sortiment an musikdramatischen Kunstmitteln und bewahrten die junge Oper dadurch vor ihrem frühzeitigen Niedergang.