Einen einheitlichen Stil wird man in der Opernlandschaft unserer Tage vergeblich suchen. Die unterschiedlichsten Richtungen und Strömungen tauchen auf, vergehen, überschneiden sich, ahmen nach und kopieren. Die Nachfolger Wagners, die meist seine Gegner sind, also Im- und Expressionisten, Veristen, Symbolisten, Anhänger der Neuen Sachlichkeit, der linear-kontrapunktischen oder der homophon-melodischen Richtung, Anhänger der sinfonischen und der alten Opernform, die Wagner gegenüber dann meist freundlicher gesonnen sind, stehen sich gegenüber. Aus der Unzahl dieser mehr oder weniger bedeutenden Vertreter all dieser und ähnlicher Richtungen ragen einige wenige Künstlerpersönlichkeiten hervor, die durch eigenartige und zum Teil faszinierende Werke bedeutende und anhaltende Erfolge zu erringen vermochten. Als die zwei letzten großen Opernkomponisten gelten Richard Strauß und Hans Pfitzner, von denen Strauß als Repräsentant der Epoche vor dem ersten Weltkrieg und Vollender des modernen Orchesterklanges nach Wagner gilt, während der andere, Pfitzner, als letzter, großer Romantiker angesehen werden kann und somit das Erbe Schumanns, Weber und in gewissem Sinne auch Wagner antrat. Nach dem ersten Weltkrieg jedoch, starb die Oper immer mehr aus und was Komponisten danach noch zustande brachten, wurde von Kritikern meist unter dem Sammelbegriff “Sumpfblüten” zusammengefasst. Allein dem österreichischem Kabarettisten Georg Kreisler (1922-2011) gelangen einige kleinere Opernerfolge, wenngleich auch er kaum aufgeführt wurde und wird, tatsächlich findet man auf den Spielplänen der Opernhäuser unserer Tage kaum einen Komponisten, der das Jahr 1900 noch erlebte, was sich wohl durchaus auf den Niedergang des klassischen Verständnisses der Oper mit Wagner belegen lässt. Denn nach Wagner verebbte das Interesse an der Oper immer mehr und die Operette und später das Musical nahm deren Platz ein.