Die Oper vom 17. bis zum 19. Jahrhundert

Im Barock hatten sich zwei Formen des italienischen Operntypus herausgebildet: Die “Opera seria” (die ernste Oper) und die “Opera buffa” 8die komische Oper), die mit “La serva padrona” von Pergolesis ihr Debüt feierte. Bald jedoch trat Christoph Willibald Gluck (1714-1787) auf den Plan und reformierte die ernste Oper, indem er in Zusammenarbeit mit dem italienischen Dichter Talsabigi, eine mehr am klassischen, griechischen Theater orientierte Form der Oper erschuf, die wieder etwas librettolastiger war und im “Orpheus” ihren Höhepunkt fand. Damit schlug Gluck die meisten Belcantisten aus dem Felde und die ernste, klassische Oper deutscher Herkunft war der neue Vorreiter in Europa. Aber noch war die deutsche, klassische Oper nicht vollendet. Erst mit Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) findet sich ein Repräsentant, der, anders als Gluck, der sich für seine Stücke ausschließlich an griechischer Mythologie bediente, im Geiste des Rokoko die allzu klassisch anmutenden Formen etwas aufweichen lässt. So greift Mozart unbekümmert auch zu höfischen und volkstümlichen Stoffen seiner Gegenwart, zu Märchen- und Lustspielvorlagen bis zu derb komischen Possen. Er vereinigt die ernsten und komischen Ausprägungen der Oper Deutschlands, Frankreichs und Italiens zu einer vollkommen neuen und unnachahmlichen Stilrichtung. Somit eroberten Gluck und Mozart der deutschen Oper eine herausragende Stellung in der Welt. Mit dem Tode Antonio Salieris, einem Zeitgenossen Mozarts, starb das inzwischen altertümliche “Belcanto” schließlich gänzlich aus. Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts tritt ein neuer großer Komponist auf den Plan: Ludwig van Beethoven (1770-1827) Mit Ludwig van Beethoven tritt in der Geschichte ein neuer Künstlertyp in Erscheinung. Als Sinfoniker wird Beethoven formal zum Vollender der klassischen Periode, aber in seiner geistigen Haltung ist er etwa von der , Sinfonie ab und auch in seiner einzigen Oper “Fidelio” bereits Romantiker, Individualist, weltferner Grübler und Träumer. Also war mit Beethoven, dem Vollender der Klassik, eine neue Epoche angebrochen, nämlich die “Romantik. Die Romantik ist eine geistige Strömung, die sich beinahe gänzlich auf den deutschsprachigen Raum beschränkte. In den anderen europäischen Ländern trat sie nicht oder doch in völlig anderer Art auf. Während die deutschen romantischen Musiker die überkommenen musikalischen Formen zunächst erweiterten und umformten, dann in revolutionärem Überschwang zertrümmerten und schließlich im Musikdrama zu einer völlig neuen, eigenwüchsigen Architektur kamen, deren besonderes Merkmal es war, dass wiederum die Musik dem Drama sich dienend unterordnete, behielten für die außerdeutschen Länder, die durch Klassiker der “Opera seria” und der “Opera buffa” aufgestellten Formen nach wie vor ihre Gültigkeit. Die französische Revolution, die natürlich auch für die deutsche Geistesentwicklung von einschneidender Bedeutung war, bedingte in Frankreich und Italien eine ganze Reihe von sogenannten Revolutions- und Schreckensopern. Sie wiesen alle dieselbe textliche Tendenz als Gemeinsamkeit auf. Geknechtete, unterdrückte und misshandelte Menschen kämpfen in diesen Opern gegen ihre Unterdrücker und Ausbeuter. An dieser Stelle sei auch wieder Beethoven erwähnt, dessen einzige Oper “Fidelio” sich ebenfalls mit dieser Thematik auseinandersetzt. Richard Wagner (1813-1883) begründete gleichzeitig das Ende und den Höhepunkt der Oper nach heutigem, allgemeinem Verständnis. Zu Beginn seiner Karriere merkt man seinen Kompositionen noch nichts vom späteren Wagner an, sie eifern noch den Idealen der Romantiker, besonders Carl Maria von Weber, nach. Erst im Laufe einer Kompositionstätigkeit entwickelte er sich seinen eignen unverkennbaren Stil und somit sein enormes Genie. Seine Opern sind pompös, bombastisch, monumental und eine Hommage an das deutsche Brauchtum, insbesondere das mittelalterliche Ritterwesen. Typisch für Wagner sind auch Individualpassagen, das heißt, dass jeder der Protagonisten in seinen Opern ein typisches Thema hat, welches bisweilen variiert wird. Heutzutage ist Wagner nicht unumstritten, allein schon, weil seine nationalistischen Opern, während der Zeit des Nationalsozialismus, zu urdeutschem Brauchtum verkitscht wurden, der Künstler Wagner verschwindet dahinter. Allein das ist ein Grund, wenngleich es viele weitere gibt, warum Wagner neben zahlreichen Verehrern, auch zahlreiche Gegner hat und seine Opern bis heute nicht ganz vorbehaltlos gegeben werden können.

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